Die Sonnenuhr des Monte Generoso

Es handelt sich hier um eine vertikale, um 10°8’ nach Westen geneigte Sonnenuhr, die die ursprüngliche genau dem Längengrad entsprechende Sonnenzeit angibt. Der Unterschied, der durch das Zurückstellen in der Zeitzone, also auch der Mittagsstunde, bedingt wird, beträgt im Verhältnis zur richtigen Sonnenzeit 23 Minuten und 56 Sekunden. Diese Zeit heisst konstante Lokalzeit. Sie geht auf den Unterschied von 5° und 59’ zwischen dem Längengrad des Monte Generoso (9° und 1’ Ost) und dem des ersten Meridians auf 15° Ost von Greenwich zurück, der die mittlere Zeit der Zone, also die unserer Uhren, bestimmt. Was die Konstruktion selber betrifft, so handelt es sich um eine vertikale Tafel aus Aluminium von 180 auf 150 cm, die auf einem rostfreien Stahlträger montiert ist.

Die Errichtung dieser Tafel ging aus der Idee einiger Gymnasiasten in Mendrisio und ihres Lehrers, Prof. Enzo Pfister, beim Studium des Goldenen Schnittes hervor.

Der goldene Schnitt

In der Kunst und in der Mathematik bedeutet der Goldene Schnitt ein besonderes Verhältnis, wobei der grössere Teil sich zum kleineren so wie das Ganze zum grösseren verhält. Allgemein wird Plato als der Vater der Studien über den Goldenen Schnitt betrachtet. Seine Definition ist im Traktat über die Elemente des griechischen Mathematikers Euklid (im 3. Jahrhundert vor Christus tätig) enthalten. Der Goldene Schnitt wird als ein ästhetisch gefälliges Verhältnis empfunden und wurde als Basis für die Komposition malerischer (Piero della Francesca) und architektonischer (Parthenon) Werke verwendet. In der Wirklichkeit haben verschiedene Experimente zur Annahme geführt, dass das menschliche Aufnahmevermögen eine natürliche Bevorzugung von Proportionen empfindet, die in Übereinstimmung mit dem Goldenen Schnitt stehen. Künstler würden fast unbewusst dahin tendieren, die Elemente einer Komposition auf Grund dieses Verhältnisses einzusetzen. Die Stellung der Sonnenuhr und die Neigung der Tagundnachtgleiche in grüner Farbe wurden durch das interaktive Auftragen der Definition des Goldenen Schnittes durch Schüler des Gymnasiums in Mendrisio gewonnen.

Die Sonnenuhr zeigt die dem Längengrad entsprechende korrekte richtige Sonnenzeit an

Auf dem Zifferblatt sind die Linien der Stunden, also auch der Mittagsstunde, um 23 Minuten und 56 Sekunden gegenüber der lokalen Konstante verschoben, was auf den Unterschied von 5° und 51’ zwischen der Länge des Ortes (9° und 1’ Ost), d.h. dem Längengrad des im Zeitzonenzentrum von Zentraleuropa gelegenen Meridians, dem ersten östlich von dem fundamentalen von Greenwich, zurückzuführen ist.


Wie kann die Zeit auf unserer Uhr von der Lage des Schattens her abgelesen werden?

  1. Aufmerksam die vom Schatten der Sonnenuhr angezeigte Uhrzeit ablesen.
  2. Nur während der geltenden Sommerzeit sofort eine Stunde hinzufügen.
  3. Die von der Gleichung der Zeit angegebenen Minuten hinzufügen oder abziehen.

Mit diesen einfachen Operationen findet man die durch eine genaue Uhr angezeigte Zeit.

Der leuchtende Kreis, der durch das Loch der Sonnenuhr auf das Zifferblatt projiziert wird, fällt genau auf die grüne Linie und folgt ihr während der Tagundnachtgleiche im Frühling (21. März) und im Herbst (23. September). Auf dem Zifferblatt sind auch die Hyperbeln wiedergegeben, die den Eintritt der Sonne in die Tierkreiszeichen anzeigen. Wenn der Schatten auf die vertikale Linie fällt, ist es genau 12 Uhr, d.h. der wahre örtliche Mittag.

Die Gleichung der Zeit:

  1. 1. Die Sonne beschreibt während ihres scheinbaren Umlaufs um die Erde jeden Tag eine ekliptische Bahn, deren Projektion auf den Himmelsäquator eine variable Grösse ist, die im Verlauf des Jahres eine doppelte Sinuskurve darstellt.
  2. Nach dem zweiten keplerschen Gesetz bewegt sich die Erde auf ihrer Umlaufbahn mit einer variablen Geschwindigkeit, die grösser ist, wenn sie sich näher bei der Sonne befindet.

Die Summe dieser beiden Variablen ergibt Tag für Tag die Gleichungskurve, die auf der Sonnenuhr wiedergegeben ist.

Entworfen und ausgeführt von Luigi Ferioli, Elia Cozzi und Enzo Pfister.
Verwirklicht dank einem Beitrag der Direktion der Monte Generoso-Bahn AG

Monte Generoso ist eine Iniziative des Migros KulturprozentsMonte Generoso ist eine Iniziative des Migros Kulturprozents